header image

Uno Charta

Charta der internationalen Dekade für die Entwicklung einer Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit für die Kunder dieser Welt.


In allen Ländern der Welt leiden gegenwärtig viele Kinder an den Auswirkungen von Gewalt ... Viele erleben eine 'Kultur der Gewalt' Wir glauben, dass jedes Kind die Erfahrung machen kann, dass Gewalt kein unausweichliches Schicksal ist. Wir können Hoffnung wecken, indem wir beginnen, eine neue 'Kultur der Gewaltfreiheit' aufzubauen.

Aus dem Appell der Friedensnobelpreisträger für alle Kinder der Welt - 01.07.1997

[top]


Paragraph

Neues Leben aus der Kraft der Gewaltfreiheit für unsere Kinder und Jugendlichen, für die künftigen Generationen! Dieser dringliche Appell der Friedensnobelpreisträger hat die Generalversammlung der UNO am 10. 11. 1998 dazu bewogen, die Zeit von 2001 – 2010 zur "Internationalen Dekade für die Entwicklung einer Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit für die Kinder der Welt" zu erklären. Ziel dieser Dekade ist es, im Zusammenwirken mit Kindern und Jugendlichen der ganzen Welt, die Wende von einer Kultur der Gewalt zu einer Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit herbeizuführen. Von einer Kultur der Gewalt...

 

Die Kultur der Gewalt begünstigt oder rechtfertigt die Anwendung von Gewalt, regelmäßig oder als Ausnahme, in den verschiedenen Bereichen des Lebens. Diese Kultur, die den wirklichen Frieden verhindert, war bis auf den heutigen Tag in der Geschichte der Menschheit vorherrschend, wenngleich viele Versuche, dieser Situation zu entkommen, die Geschichte der Menschheit kennzeichneten. Zahlreiche Regeln wurden aufgestellt, um die Gewalt zu begrenzen.

 

Eine Kultur der Gewalt ist auf die Befriedigung der Bedürfnisse Weniger ausgerichtet, während sie die Achtung des Lebens und der Würde der großen Mehrheit benachteiligt. Denn Gewaltanwendung hat die Herrschaft über andere und deren Ausbeutung zum Ziel. Das bedeutet zu verletzen und zu zerstören, was die Würde des Menschen ausmacht: seine Freiheit, seine Integrität, die Möglichkeit der Mitbestimmung, Gerechtigkeit und Frieden, ja, das Leben schlechthin. Auf internationaler Ebene führt diese Dynamik der Herrschaft, die durch einen unerbittlichen, globalen wirtschaftlichen Wettkampf gekennzeichnet ist, zur Entwicklung von Konflikten und ständiger Aufrüstung.

 

In einer Kultur der Gewalt werden die Menschenrechte und die demokratischen Spielregeln mißachtet, Güter und Ressourcen sind ungleich verteilt, Informationen weder frei noch objektiv, oft muß sich das Gewissen der Menschen einer vorherrschenden Ideologie unterwerfen, die Umwelt wird zugunsten rascher Profite zerstört.

 

Für Kinder und Jugendliche bedeutet das vielfache Leiderfahrung: zu allererst in der Familie und Schule durch autoritäre Erziehungsformen und die Unmöglichkeit sich mitzuteilen. Physische und psychologische Gewalt, sexueller Mißbrauch, Diskriminierung der Mädchen im Zugang zur Bildung sind noch in vielen Gesellschaften verbreitet. Darüber hinaus erleiden Kinder und Jugendliche direkt die Geisel sozialer, politischer, wirtschaftlicher und kultureller Gewalt: Hunger, Krankheit, Kinderarbeit, gewaltsame militärische Rekrutierung, Analphabetismus, Armut, Arbeitslosigkeit. Ethnische, rassische, religiöse oder soziale Diskriminierung und ideologische Indoktrinierung werden vielen von ihnen aufgezwungen. Sie sind dem Einfluß sozio kultureller Modelle, die – vor allem durch Erziehung, Medien und Spiele – eine Ideologie der Gewalt transportieren, ausgesetzt.

 

Diese Kultur der Gewalt führt viele Jugendliche entweder zu Unterwerfung und Verzweiflung oder aber zu Revolte, die sie zu Haß und zu neuer, manchmal tödlicher und nicht selten zu selbstmörderischer Gewalt treibt. Wo können die Jugendlichen unserer Welt jene Kraft und Weisheit finden, an der es uns mangelte, um die todbringende Kultur der Gewalt in eine Kultur des Lebens umzugestalten?

 

... zu einer Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit Wenngleich jeder Mensch Gewalt, die ihm durch diese Kultur und Geschichte der Menschheit vermittelt wird, in sich trägt, bekräftigen wir dennoch mit den Friedensnobelpreisträgern, Mass jedes Kind die Erfahrung machen kann, dass Gewalt kein unausweichliches Schicksal ist." Durch Erziehung im Geist und den Methoden der Gewaltfreiheit, die bereits eingeleitet ist, können wir Hoffnung anbieten, indem wir die Grundlagen für eine Kultur der Gewaltfreiheit entwickeln.

 

Die Kultur der Gewaltfreiheit gründet auf der Achtung des Lebens und der Würde jedes Menschen ohne Ausnahme. Ihre Werte sind Wahrheit, Gerechtigkeit, Mitgefühl (compassion), Vergebung und Liebe. In einer Kultur der Gewaltfreiheit wird Gewalt in all ihren Formen (physische, sexuelle, psychologische, wirtschaftliche und soziale) durch Widerstand gegen Unrecht und durch die Bemühung um friedliche Konfliktlösung bekämpft. Es geht darum, aus der Spirale der Gewalt auszubrechen und Bedingungen für ein neues, in Gerechtigkeit und Solidarität versöhntes Leben aufzubauen. Konflikten wird nicht ausgewichen, sie werden auch nicht verdeckt, vielmehr werden sie in einer neuen Weise gewaltfrei aufgearbeitet. Eine Kultur der Gewaltfreiheit fordert eine Gewissensbildung, die auf einen freiwilligen und großzügigen Einsatz für Leben in Würde und Frieden ausgerichtet ist, und die Erkenntnis, dass Gewalt nur aus der Kraft der Gewaltfreiheit wirklich überwunden werden kann.

 

Dies setzt voraus, dass Einzelne und Gruppen die Kraft der Gewaltfreiheit in sich entdecken, sich in deren Methoden schulen und so befähigt sind, sie in persönlichen und kollektiven Konflikten zur Anwendung zu bringen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, gewaltfreie Konfliktlösung und Achtung der Menschenrechte von der frühesten Kindheit an in Familie, Schule und allen Bildungsbereichen zu lehren und einzuüben. In einer Kultur der Gewaltfreiheit wird jede Form von Diskriminierung bekämpft. Demokratische Werte und Vorgangsweisen, sowie kulturelle Vielfalt und die Rechte von Minderheiten werden auf allen Ebenen der Gesellschaft respektiert. Schutz der Schwachen und der Randgruppen ist eine Priorität. Die Güter und Ressourcen unseres Planeten werden (vor allem in den Beziehungen zwischen Nord und Süd) in möglichst gerechter Weise im Rahmen einer Weltwirtschaft geteilt, die auf die Befriedigung der Lebensbedürfnisse der größtmöglichen Anzahl der Weltbevölkerung ausgerichtet ist.

 

Die Entwicklungsstrategien sind darauf bedacht, das ökologische Gleichgewicht und die natürlichen Ressourcen zu erhalten. Und schließlich ist der Einsatz für Abrüstung, – vor allem für eine atom(waffen)freie Welt –, und Konfliktprävention gefordert, wie die Ersetzung der militärischen Konfliktaustragung durch zivile Intervention durch dafür geschulte Friedensdiener.

 

Die Weisheit alter Traditionen wie die Religionen der Welt, die alle in ihrem Wesenskern die absolute Achtung des Menschen und des Lebens tragen und bezeugen, können durch ihre Lehre und moralische Autorität einen unschätzbaren Beitrag zu dieser Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit leisten.

 

Der Same der Gewaltfreiheit findet sich in jedem Kind und Jugendlichen der Welt. Sie wünschen, aus unserer Kultur der Gewalt, an der sie leiden, auszubrechen. Deshalb sind sie und werden sie auch weiterhin die wichtigsten Bauleute der neuen Kultur sein. Sie benötigen jedoch erwachsene Partner, die selbst Erfahrung in aktiver Gewaltfreiheit haben und ihnen helfen, diese Kraft in sich zu entdecken, sie durch Friedenserziehung zu entfalten, sich darin einzuüben und die Kinder mit den Erfahrungen der Vergangenheit und den Entwicklungen der Gewaltfreiheit in der Gegenwart vertraut zu machen.

 

Diese Erziehung zu Gewaltfreiheit und in Gewaltfreiheit wird die junge Generation befähigen, die nötigen Umgestaltungen auf den verschiedenen Ebenen der Gesellschaft anzubahnen, um der Kultur der Gewalt zu entkommen und eine friedlichere und gewaltfreiere Gesellschaft zu entwickeln.

[top]


Rolle der Charta

Initiatoren und Pfeiler der Dekade sind jene Frauen, Männer und Organisationen, die wegen ihres Einsatzes für den Frieden mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurden. Aufgrund dieser Tatsache ist die Dekade völlig unabhängig und kann von keinem Land, von keiner konfessionellen oder nicht-konfessionnellen Institution, von keiner politischen Partei noch von irgend einem Mann oder einer Frau für sich beansprucht werden.

 

Zielsetzung der Charta ist es zu garantieren, dass alle Aktionen, die im Verlauf der Dekade von den Mitgliedern des österreichischen Netzwerkes durchgeführt werden, dem grundlegenden Geist des Appells der Friedensnobelpreisträger entsprechen. Weltweit trägt die Stiftung "Appel des Prix Nobel pour la Paix" (Appell der Friedensnobelpreisträger) während der ganzen Dekade die Verantwortung für die Einhaltung des Geistes dieser Charta.

 

Die unterzeichnenden Organisationen verpflichten sich, die Orientierung dieser Charta sowohl in Bezug auf ihre Aktionen zur Verwirklichung der Dekade wie bei der internen Zusammenarbeit des Netzwerkes zu respektieren.


[top]


Nächste Veranstaltungen


Donnerstag, 21 September 2017

Schlosspark Hellbrunn

Weltfriedensfest zum Weltfriedenstag