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Arbeitspsychologen sagen, dass Mitarbeitende mit unordentlichen Schreibtischen oft kreativer sind und ungewöhnlichere Lösungen finden.

Person skizziert Ideen auf einem Notizblock mit Kaffeetasse, Pflanzen, Laptop und Notizen auf einem Schreibtisch.

Der Open Space hat dieses Summen am späten Nachmittag: Klimaanlage, irgendwo entferntes Lachen, wer flüstert ins Headset. Ganz hinten in der Reihe schaut ein Schreibtisch so aus, als hätt er a klanes Papier-Unwetter überlebt. Post-its klettern am Bildschirm rauf, halb gelesene Reports liegen über einer vergessenen Jausenbox, und drei Kugelschreiber raufen um Platz mit am Lego-Minifigurerl.

Kolleg:innen gehen vorbei und grinsen. „I waß ned, wie du so arbeiten kannst“, sagt eine:r von ihnen und balanciert an perfekt ausgerichteten Laptop neben a perfekt mittig platzierte Wasserflasche. Aber sobald a knackiges Kundenbriefing im Posteingang landet, is genau die Person mit dem Chaos-Schreibtisch die, die auf einmal aufdreht. Sie blättert im Notizbuch, fischt a halb vergrabene Skizze raus, hängt zwei alte Ideen zam … und zack, a neue Lösung steht da – fast aus dem Nichts.

Der Schreibtisch is Chaos. Der Kopf, seltsamerweise, ned.

Was a unordentlicher Schreibtisch wirklich über dein Hirn sagt

Auf den ersten Blick schaut a zugestellter Arbeitsplatz einfach nach sichtbar gewordener Prokrastination aus. Papiere rutschen, Kabel verknoten, Häferl vermehren sich, als stünden’s auf der Gehaltsliste. Trotzdem sehen Arbeitspsycholog:innen immer wieder des gleiche Muster: Solche „Katastrophenzonen“ gehören oft Leuten, die schräge, originelle Ideen auf den Tisch bringen. Die, die in genau dem Meeting, wo eh niemand hinwollt, auf einmal mit der Lösung kommen, die keiner kommen gsehn hat.

Sie blühen ned im Chaos auf, weil’s faul sind. Sie blühen im Chaos auf, weil ihr Hirn scheinbar davon lebt. Jedes Teil, das liegen bleibt, is a visueller Anstoß. A halb ausgedrucktes Diagramm kann an Produktnamen auslösen. A random Skizze kann zum Rückgrat von ana Kampagne werden. Von außen wirkt’s zufällig. Von innen is es a lautes, lebendiges Moodboard.

Denk an die Lena, Produktdesignerin in ana großen Tech-Firma. Ihr Schreibtisch war am Stock berühmt. Kabel um alte Prototypen gewickelt, Sticky Notes überlappt wie Schuppen, und a Print von am 90er-Videospiel-Charakter hat über allem „gewacht“. HR hat sie in am Aufräum-Workshop als „Vorher“-Foto hergnumma. Zwei Monate später is genau ihr Chaos-Schreibtisch-Konzept-Sketch zur Basis vom erfolgreichsten Feature-Rollout des Jahres word’n. Wie der interne Newsletter den Erfolg gefeiert hat, haben Kolleg:innen ihren „Krempelhaufen“ auf einmal anders gsehn. Und die gleiche Psychologin, die sie vorher Richtung Aufbewahrungsboxen gschubst hat, hat dann zugeben müssen: Lenas Umgebung hilft ihr, unerwartete Verbindungen zu machen. Das Durcheinander war nimma nur Durcheinander. Es war a Denkstil – sichtbar gmacht.

Forschung aus der Verhaltenswissenschaft stützt des Bauchgefühl. In Labor-Experimenten bringen Teilnehmer:innen in unordentlichen Räumen öfter Ideen hervor, die als kreativer und unkonventioneller bewertet werden als die von Leuten in blitzblanken Settings. Die Logik is simpel: A Umgebung voller unterschiedlicher, leicht ungeordneter Reize bringt’s Hirn zum Abschweifen, Kombinieren und Remixen. Ordnung unterstützt eher Regelbefolgen und effizientes Abarbeiten. Unordnung stupst dich sanft an, Muster zu brechen und Ränder auszutesten. A sauberer Schreibtisch hilft dir, a Aufgabe schneller fertigzumachen. A chaotischer flüstert: „Was wär, wenn ma’s anders probieren?“ Keins davon is „besser“. Es sind halt unterschiedliche Gänge.

Wie du Unordnung nutzt, ohne drin unterzugehen

Wenn du von Haus aus eher unordentlich bist, is die Lösung ned, über Nacht zum sterilen Minimalisten zu werden. Die Challenge is, dein Chaos so zu formen, dass es deine Kreativität füttert, aber dir ned den Fokus auffrisst. Fang mit „Zonen“ an, statt totale Ordnung erzwingen zu wollen. A Ecke für aktive Projekte. A wilder Stapel für Ideen, Kritzeleien, halbfertige Gedanken. Und a sauberer Streifen direkt vor dir, wo Laptop und Notizbuch atmen können.

Das schafft a komisches, aber wirksames Gleichgewicht. Deine Augen fangen weiterhin alte Notizen und schräge Objekte ein, die Insights auslösen können. Aber deine Hauptarbeitsfläche bleibt brauchbar. Du brauchst ned zehn Minuten, um an Stift zu finden, der hinter am Marketingreport vom letzten Quartal verschwunden is. Kontrollierte Unordnung is das Ziel. Ned Selbstsabotage.

Praktisch hilft a mini-kleines Ritual, fast schon lächerlich: fünf „Platzierungen“ am Ende vom Tag. Mehr ned. Fünf Dinge bewegen. A Notizbuch zurück auf seinen Stapel. A Häferl in die Küche. A Kabel in die Lade. Es is so klein, dass du’s wirklich machst – sogar wennst müde bist. Und ehrlich: Den perfekten Instagram-Schreibtisch hält eh niemand länger als drei Tage durch, wenn die Arbeit wirklich reinknallt.

An einem Dienstag in der Früh kommst vielleicht rein, schmeißt die Tasche auf an Sessel voller Hoodies und alter Stofftaschen und spürst diese Welle von „Des is zu viel“. Greif ned alles auf einmal an. Nimm dir eine Fläche und eine Kategorie. Heute: „Papiere auf der Tastatur“. Morgen: „der Häferl-Friedhof“. Kleine Erfolge halten die kreativen Vorteile vom Chaos am Leben, ohne dass es zu echtem Stress wird.

Viele der häufigsten Fehler von Chaos-Schreibtisch-Leuten haben weniger mit dem Chaos selber zu tun, sondern mit der Schuld, die dran hängt. Sie glauben, ihr Arbeitsplatz schaut unprofessionell aus – also entschuldigen sie sich in jedem Meeting, machen Witze, dass sie „a Katastrophe“ sind, oder versuchen halbherzig aufzuräumen und sind danach erst recht frustriert. Diese Scham frisst mehr Energie als das Durcheinander jemals könnt. Du musst dir dein eigenes Arbeitsstil-Recht ned verdienen.

Gesünder is, drüber zu reden wie über a Strategie, ned wie über an Fehler. „I lass Prototypen und Kritzeleien draußen, weil i über visuelle Assoziationen arbeite“ klingt komplett anders als „Sorry, bei mir is so a Sauhaufen.“ Das macht aus dir ned „die unorganisierte Kolleg:in“, sondern „die Person, die weiß, wie ihr Hirn funktioniert“. Probier’s a Woche und schau, wie sich deine eigene Sicht auf deinen Tisch verändert. Oft kommt der Stress ums Chaos weniger von den Sachen selbst als von der Geschichte, die ma ihnen anhängt.

„Ordnung is gut, um zu wissen, was schon erledigt is. Unordnung is gut, um zu entdecken, was als Nächstes möglich wär.“ - anonyme:r Arbeitspsycholog:in

Damit dein Chaos nützlich bleibt statt erdrückend, helfen ein paar einfache Anker:

  • Ein sauberes Notizbuch, in das jeden Morgen die drei wichtigsten Aufgaben vom Tag kommen.
  • Ein physischer „Ideen-Stapel“, wo Skizzen, Ausdrucke und wilde Konzepte ohne Urteil landen dürfen.
  • Einmal pro Woche a 15-Minuten-„Rettungssession“, wo du nur wegschmeißt, was ganz klar totes Gewicht is.

So bleibt dein Schreibtisch a lebendes Labor, ned a Mülldeponie. Das Durcheinander füttert weiterhin deine Fantasie, aber du verlierst dich ned jedes Mal drin, wennst dich hinsetzt. An Tagen voller Screens und Notifications kann diese leise Kontrolle über dein eigenes Eckerl Unordnung überraschend stabilisierend sein.

Neu denken, wie „professionell“ ausschaut

Uns wird oft a sehr enges Bild vom „seriösen“ Hackler verkauft: weißer Tisch, einzelnes Notizbuch, a Pflanzerl, alles ausgerichtet wie beim Katalog-Shooting. Dabei arbeiten einige der erfinderischsten Leute in Büros, Studios und Labs in Räumen, die ganz anders ausschauen. Ihre Schreibtische sind geschichtet: vergangene Versuche, zukünftige Ahnungen, Tools, die drauf warten, neu verwendet zu werden. A physisches Gedächtnis ihres Denkens.

Ein emotionaler Shift ändert alles: Statt zu fragen „Is mein Schreibtisch akzeptabel?“, frag „Hilft mir mein Schreibtisch heute – oder blockiert er mich?“ An Tagen, wo du Fokus und Umsetzung brauchst, schiebst vielleicht Stapel weg und machst dir a Schneise frei. An Tagen fürs Brainstorming ziehst vielleicht sogar mehr in dein Sichtfeld rein: alte Skizzen, ausgedruckte E-Mails, Kundenfeedback am Rand von am Report. Unordnung wird zu am Regler, den du rauf- oder runterdrehst – ned zu am Etikett auf der Stirn.

Auf einer tieferen Ebene fordert das auch was von Führungskräften und HR. Wenn als einzig sichtbares „Vorbild“ der makellos stille Arbeitsplatz gilt, werden kreative Köpfe weiter ihre natürlichen Gewohnheiten verstecken – und damit a Stück von ihrem Potenzial. Arbeitsplätze, die Luft für unterschiedliche Schreibtisch-Stile lassen, senden indirekt, aber stark: Uns sind Ergebnisse wichtiger als Optik. Lieber a brillante, leicht chaotische Strateg:in als wer mit Farbcodes, der dafür jedes Risiko meidet.

Das heißt ned, dass ma Unordnung verklären oder Hygiene als „optional“ behandeln soll. Es heißt: Nuancen zulassen. A Designer:in mit vollem Tisch kann trotzdem Essen dicht verschließen und Gemeinschaftsflächen sauber halten. A Data-Analyst:in mit leerem Zen-Schreibtisch kann trotzdem brutal kreativ in Excel sein. Niemand is auf eine Identität festgenagelt, nur weil irgendwo a Papierstapel liegt. Die echte Frage is simpel und ein bissl unbequem: Was, wenn genau das, was du in der Arbeit immer verstecken wolltest, eigentlich einer deiner unfairen Vorteile is?

Schlüsselpunkt Detail Nutzen für dich
Unordnung befeuert unkonventionelles Denken Chaotische Umgebungen liefern viele visuelle Hinweise, die ungewöhnliche Ideen-Kombinationen anstoßen. Hilft dir, weniger Schuld wegen einem vollen Tisch zu spüren und mehr zu sehen, wie er Kreativität unterstützt.
Kontrollierte Unordnung schlägt Totalchaos Zonen, Mini-Rituale und ein „Ideen-Stapel“ bringen die Vorteile vom Chaos, ohne den Fokus zu verlieren. Gibt dir praktische Wege, mit deinem Stil zu arbeiten statt permanent dagegen anzukämpfen.
Professionalität is kein einziges Optik-Template Unterschiedliche Rollen und Hirne brauchen unterschiedliche Umgebungen – von minimalistisch bis voll. Ermutigt dich, einen Arbeitsplatz auszuhandeln, der wirklich zu deinem Denken und Leisten passt.

FAQ

  • Is a unordentlicher Schreibtisch immer a Zeichen von Kreativität? Ned immer. Manchmal is es einfach Überlastung oder Vernachlässigung. Der Unterschied: A kreatives Chaos hilft dir trotzdem, Ideen und Tools zu finden, wenn du’s brauchst. Wenn dich dein Krempel nur stresst, dient er dir ned.
  • Kann i kreativ sein und trotzdem an ordentlichen Schreibtisch haben? Absolut. Manche Kreative denken besser mit visueller Ruhe. Sie lagern ihre Explorationen in digitale Tools, Skizzenbücher oder Moodboards aus – statt am Tisch selber.
  • Was, wenn mein:e Chef:in mein Chaos hasst? Erklär, wie dein Setup deine Arbeit unterstützt, und schlag Grenzen vor: Gemeinschaftsbereiche sauber, Essen im Griff, und eine klare Zone am Tisch frei halten. Oft reicht so a Kompromiss.
  • Wie viel Unordnung is „zu viel“? Wenn du regelmäßig Wichtiges verlierst, Deadlines wegen Unorganisation verhaust oder jedes Mal nervös wirst, wennst dich hinsetzt, is die Grenze überschritten. A bissl Reibung kann Kreativität fördern; dauernde Reibung saugt sie ab.
  • Wie kann i anfangen, meine Beziehung zu meinem Schreibtisch zu ändern? Start mit einem kleinen Experiment: Definier an „Ideen-Stapel“ und an freien Arbeitsstreifen. Arbeit a Woche so und schau, was sich bei Stresslevel, Fokus und Ideenfluss tut.

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