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Immer mehr Senioren arbeiten nach der Pension, um über die Runden zu kommen. Sie nennen uns „Kumulanten“, doch so sichern wir unseren Lebensunterhalt.

Ältere Frau sitzt am Küchentisch, hält Schild "retired", neben ihr Arbeitsjacke, Brotdose und Münzen.

Auf einmal kennt ma des: Man schaut wen an und denkt si: „Des is ned des Bild, des ma uns verkauft ham.“

In am kleinen Café bei ana Bushaltestöll rührt a alter Mann im neongrünen (orange fluo) Warnwestl langsam mit’m Löffel in an viel zu heißen Kaffee. Er is 71, lächelt mit müden Augen und sagt, fast lachend: „Sie nennen uns die ‚Cumulants‘ – in da Pension am Papier, aber i arbeit trotzdem, damit i die Rechnungen zahlen kann.“

Rund um eam: andere Seniorinnen und Senioren in Arbeitsg’wand, Ausweise um’ghängt, Liefer-Taschen am Boden. Ka Kreuzfahrt, ka Boccia-Platzl, nur Dienstpläne, Schichten und Fahrten mit den Öffis.

Die Pension schaut immer weniger so aus, wie ma’s si vorg’stellt hat.

Und manche fangen an zu überlegen, ob des ned a neues Leben is … oder a höfliche Falle.

Die „Cumulant“-Generation: in Pension am Papier, in da Realität in da Hackn

Am Gehsteig, vorm Supermarkt oder vorm Callcenter, siehst heutzutage mehr graue Köpfe als je zuvor.

Des san die „Cumulants“: offiziell in Pension, aber sie stapeln Teilzeitjobs, Gelegenheitsarbeiten und Nebenverdienste, um die Löcher in da Pension zu stopfen. Viele sagen, sie hätt’n si ruhige Vormittage ausg’malt, Enkerl, vielleicht a bissl Reisen. Stattdessen scannen’s Barcodes, räumen in da Früh Regale ein oder fahren Fahrdienst-Autos bis Mitternacht.

Das Komische dran: Viele san gleichzeitig haß und stolz. Haß auf die Teuerung. Stolz, dass’s no „gebraucht“ werden. Das alte Drehbuch von der Pension wird Schicht um Schicht neu g’schrieben.

Nimm die Marie, 68, die scherzt, sie hat „drei Chefs und a Pension“.

Sie hat 40 Jahr als Sekretärin g’arbeitet. Heut putzt sie drei Abende in da Wochn Büros, gibt am Mittwoch online Englisch-Nachhilfe und sitzt am Samstag als Kassierin in am Baumarkt. Sie nennt si „Cumulant aus Überleben, ned aus Wahl“. Ihre Pension deckt Miete und Energie – fast. Die Arbeit zahlt Essen, Transport und die kleinen Extras, die das Leben mehr machen als nur Rechnungen.

Marie is ka Einzelfall. In vielen westlichen Ländern is der Anteil von Menschen über 65, die no arbeiten, still und leise Jahr für Jahr gestiegen. Des is ka Kuriosität mehr. Des is a Muster im Alltag.

Hinter dem Trend is die Rechnung brutal: höhere Lebenserwartung, steigende Preise, stagnierende Pensionen und Erwerbsbiografien, die oft durch Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Pflege von Angehörigen unterbrochen waren.

Für viele Seniorinnen und Senioren is das „Pensionsalter“ nur a gesetzliche Zahl, aber ka wirtschaftliche Schwelle. Arbeiten nach der Pension wird weniger zum Herzensprojekt und mehr zur Überlebensstrategie. Und trotzdem gibt’s a soziale Dimension.

Manche Cumulants sagen: Die Arbeit hält sie wach, bringt sie in echte Gespräche – ned nur in den Fernseher am Vormittag. Gebraucht werden fühlt si manchmal genauso wichtig an wie der Lohn. Diese Mischung – finanzieller Druck und Sinnsuche – schafft a neues, unruhiges Normal. A Generation zwischen Ausruhn und Hustle.

Wie Seniorinnen und Senioren Arbeit so drehen, dass’s lebbar bleibt (und ned nur Schinderei)

Bei den Cumulants, die’s am besten packen, steckt oft a ruhige Methode hinter dem Chaos.

Sie behandeln die Wochn wie a Puzzle: ned jedes Kastl ausfüllen. A Tag für bezahlte Arbeit, a Tag für Papierkram oder Arzttermine, a Tag heilig für Familie oder Erholung. Viele wählen Jobs näher daham oder online, damit’s ned die langen Wege san, die Geldbörsel und Energie leersaugen.

Der wichtigste Zug is simpel: a Haupt-Einnahmequelle nach der Pension, ned fünf z’streute Gigs. Dann kleine, flexible Extras obendrauf. Das schützt Schlaf, Knie und Nerven. Und es lasst Platz für des, wofür ma wirklich leben will – ned nur für des, wofür ma zahlen muss.

Die Falle is, „wie früher“ arbeiten zu wollen. Gleicher Rhythmus, gleiche Stunden, gleicher Stolz, nie Nein zu sagen.

Der Körper spielt da ned freundlich mit. Cumulants gestehen oft versteckte Fehler: Nachtschichten „nur kurz“, schwere Sachen tragen aus Scham, Arztbesuche auslassen, weil „es gibt ja Arbeit“. Und dann kommt der Einbruch schnell.

A gnädigere Herangehensweise schaut anders aus: Im Bewerbungsgespräch glei klar sagen, was ned geht. Einen ganzen Tag ohne Wecker, Verpflichtungen oder Bildschirm freihalten. Hinhören, wenn Rücken, Herz oder Atem kleine Warnsignale schicken. Seien ma ehrlich: Das macht kaum wer wirklich jeden Tag – aber die, die’s probieren, halten länger durch.

Hinter den Zahlen gibt’s auch leisere Revolutionen. Seniorinnen und Senioren, die sich ned unsichtbar machen lassen – aber sich auch ned kaputt hackeln wollen, nur um durchzukommen.

Viele bauen kleine Netzwerke: a WhatsApp-Gruppe unter älteren Zustellern, a Kaffee-Runde von pensionierten Krankenschwestern in Zeitarbeit, a Facebook-Gruppe für Freelancer über 60. Drinnen gibt’s Jobtipps, Sudern und echte Freundlichkeit. Einer hat’s perfekt z’sammeng’fasst:

„Wir suchen ka zweite Karriere. Wir suchen a erste Würde.“

Da merkt ma, wie sehr kleine, praktische Stützen helfen:

  • Jobs mit planbaren Dienstzeiten statt „jederzeit auf Abruf“
  • wo möglich, sitzende Tätigkeiten ausverhandeln statt den ganzen Tag stehen
  • unbezahlte „Extra-Stunden“ ablehnen, die als Gefälligkeit verkauft werden
  • Infos zu Steuerregeln, Pensionsrechten und Förderungen teilen
  • schriftliche Verträge verlangen – auch bei „kleinen“ Jobs

Das san ka Wundermittel. Das san kleine Schilde, still getragen, Tag für Tag.

A neuer Gesellschaftsvertrag – noch im Bau

Wennst auf die Cumulants schaust, siehst ned nur Seniorinnen und Senioren. Du siehst Risse in der G’schicht, die sich a ganze Gesellschaft übers Altwerden erzählt hat.

Das alte Bild von der Pension – Garten, Fernsehen, Enkerl am Mittwoch – existiert neben ana anderen, raueren Realität: 70-Jährige an der Kassa oder beim Essensliefern zu Häusern, wo Menschen in ihrem Alter schon ausruhn.

Da steckt a Unbehagen drin, des ma selten beim Namen nennt. San die inspirierend – oder san’s a Warnsignal? Wahrscheinlich beides. Diese Spannung liegt unter jedem Smalltalk an der Kassa, bei jeder alten Hand, die a Karte durchs Gerät zieht.

Für manche is Weiterarbeiten a Entscheidung, sogar a Freude.

A pensionierter Musiklehrer, der drei Nachmittage in da Wochn gegen Bezahlung Unterricht gibt. A ehemaliger Koch, der jetz daheim kocht und Essen an Nachbarn verkauft. A Bibliothekarin, die als Korrektorin freelanced. Sie lehnen das Wort „Cumulant“ ned ab – sie machen’s zu an Abzeichen.

Aber selbst in den Geschichten is die Linie zwischen Leidenschaft und Notwendigkeit dünn. A unerwartete Rechnung, a Mieterhöhung – und „I arbeit, weil i’s gern mach“ wird zu „I kann nimma aufhören, auch wenn i wollt“. Freiheit schmeckt anders, wennst wirklich weggehen kannst.

Die eigentliche Debatte steckt in Alltagsdetails.

Wie viel Arbeit hält a 70-jähriger Körper aus, ohne z’brechen? Wer zahlt, wenn längeres Arbeiten zu Gesundheitsproblemen führt? Wie red’ ma über Geld mit Eltern oder Großeltern, ohne Scham oder peinliche Stille?

Familien verhandeln Rollen neu. Erwachsene Kinder helfen den Eltern beim Navigieren von Jobseiten oder Online-Plattformen. Großeltern passen ihre Zeiten an Schulweg und Hausübung an. Und irgendwo dazwischen steht die unausgesprochene Frage: Werd i eines Tages auch a Cumulant sein?

Der wachsende Trend bei Seniorinnen und Senioren geht ned nur um sie. Er is a Spiegel – und der wird uns allen a bissl zu nah hingehalten.

Punkt Detail Nutzen für Leserinnen und Leser
„Cumulant“-Lebensstil Seniorinnen und Senioren kombinieren Pension und bezahlte Arbeit, um Grundbedürfnisse zu decken und a soziale Rolle zu behalten. Hilft zu verstehen, warum so viele Ältere noch am Arbeitsmarkt san.
Überleben vs. Entscheidung Manche arbeiten aus finanziellem Druck, andere aus Lust auf Aktivität – die meisten liegen irgendwo dazwischen. Regt zum Nachdenken an, wie die eigene Pension einmal ausschauen könnt.
Kleine Schutzmaßnahmen Begrenzte Stunden, klare Grenzen, schriftliche Verträge und Netzwerke unter Gleichaltrigen. Liefert konkrete Ideen, wie ma ältere Angehörige – oder sich später selbst – unterstützen kann.

FAQ

  • Was heißt „Cumulant“ bei Seniorinnen und Senioren eigentlich? Meist meint’s Pensionistinnen und Pensionisten, die ihre Pension mit einer oder mehreren bezahlten Tätigkeiten kombinieren – offiziell oder informell –, um ihren Lebensstandard zu halten.
  • Is Arbeiten nach der Pension immer mit finanziellen Problemen verbunden? Nein. Manche arbeiten, um aktiv zu bleiben oder a Leidenschaft zu leben. Aber die steigenden Lebenshaltungskosten drängen viele, weiterzuarbeiten, damit’s die Basics zahlen können.
  • Welche Jobs machen Cumulants oft? Häufig wechseln’s in Teilzeit im Handel, Reinigung, Betreuung/Pflege, Fahrdienste, Security, Nachhilfe oder Online-Mikrojobs – passend zu Gesundheit und Energie.
  • Kann Arbeiten nach der Pension Pensionsansprüche verringern? In manchen Systemen kann’s Steuern und Beihilfen beeinflussen, in anderen ned. Die Regeln san regional sehr unterschiedlich – offizielle Infos oder Pensionsberatung sind wichtig.
  • Wie kann die Familie unterstützen, wenn ein Elternteil Cumulant wird? Offen über Geld reden, bei Behördenkram oder Digitalem helfen, den Bedarf an Erholung und Autonomie respektieren und auf Erschöpfungszeichen achten.

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