Der Feigenbaum ganz hinten im Garten schaut im Oktober oft müde aus.
Die Blätter rollen sich ein, ein paar sture Früchte halten noch dran, und das späte Licht färbt alles bronzen. Meistens hören die meisten genau dann auf, hinzuschauen – gedanklich schon beim Frost und bei den Saatgutkatalogen fürs nächste Frühjahr. Dabei bietet dir der Baum genau in diesem Moment still etwas Wertvolles an: neue Feigenbäume, versteckt in jedem verholzten Trieb.
An einem kühlen Nachmittag, mit der Gartenschere in der Hand, merkst du, wie der Saftfluss langsamer wird. Die Zweige fühlen sich fester an, weniger brüchig als im Juni. Die Luft riecht leicht nach feuchter Erde und Falllaub. Irgendwo in diesem leisen Wechsel der Jahreszeiten liegt ein kleines Gärtnergeheimnis: Steckhölzer, die du jetzt schneidest, bewurzeln schneller, zicken weniger herum und tragen die Süße vom Sommer in die Zukunft.
Du setzt den ersten Schnitt. Es fühlt sich ein bissl falsch an – fast wie Verrat.
Warum Oktober heimlich der beste Monat für Feigen-Steckhölzer ist
Im Oktober ist der Feigenbaum in einem komischen Zwischenzustand. Er schläft noch nicht ganz, aber der wilde Wachstumsschub vom Sommer ist vorbei. Das Holz ist ausgehärtet, die Blätter werden gelb, und der Baum bremst sanft ab. Genau diese Pause macht seine Triebe zu perfekten Kandidaten fürs Vermehren.
Im Hochsommer sind Feigentriebe weich, saftvoll und welken im Topf schnell. Im Winter können sie Kälteschäden bekommen und lassen sich nur langsam zum Wurzeln überreden. Der Oktober liegt genau im idealen Bereich: halb ausgereiftes Holz, kühles aber nicht brutales Wetter, und der Boden hat oft noch ein bisschen Restwärme. Der Baum hat die harte Arbeit schon erledigt und packt still in jeden Trieb gespeicherte Energie.
Viele Hobbygärtner:innen schwören auf dieses Timing, ohne es immer groß zu erklären. Sie merken einfach: Steckhölzer aus dieser Zeit „gehen“ deutlich öfter an. Die Wurzeln kommen früher. Die Knospen bleiben prall statt auszutrocknen. Ein französischer Amateur hat seine Erfolgsrate bei über 50 Steckhölzern über drei Jahre notiert: Sommer-Versuche bewurzelten um die 30%, Herbst-Steckhölzer lagen nahe bei 75%. Keine Laborstudie, nur ein Heft im Geräteschuppen – aber das Muster war klar genug, um seine Gewohnheiten zu ändern.
Biologisch ist das keine Mystik. Wenn die Tage kürzer werden, ziehen Feigen Zucker und Nährstoffe zurück in Triebe und Wurzeln. Diese Reserven sitzen dann genau in dem Holz, das du abschneidest. Mehr Vorrat heißt: Das Steckholz kann lange Wochen ohne Blätter überstehen, während es im Stillen Wurzeln bildet. Gleichzeitig reduzieren kühlere Temperaturen Stress und Wasserverlust. Die Pflanze gerät nicht in Panik und treibt nicht zu früh aus – sie konzentriert sich auf die Arbeit unter der Erde.
Darum fühlen sich Gärtner:innen, die im Juni mit Feigen-Steckhölzern gescheitert sind, im Oktober oft wie Zauberer – mit denselben Händen und denselben Werkzeugen. Der Kalender macht die halbe Arbeit.
So nimmst du im Oktober Feigen-Steckhölzer (ohne’s zu verkomplizieren)
Starte mit einem gesunden, fruchtenden Feigenbaum, den du magst – der Geschmack ist hier alles. Nimm Triebe, die heuer gewachsen sind, aber schon fest und holzig sind, ungefähr bleistiftdick oder so dick wie dein kleiner Finger. Schneide Stücke von ca. 15–20 cm (6–8 Zoll), jeweils mit 3–4 Knoten (diese kleinen Verdickungen, wo früher Blätter und Feigen saßen). Den oberen Schnitt gerade setzen, knapp oberhalb eines Knotens, den unteren Schnitt schräg, knapp unterhalb eines Knotens.
Entferne alle restlichen Blätter, damit das Steckholz keine Energie verschwendet. Wenn du’s ganz genau nehmen willst, kannst du das untere Ende in Bewurzelungshormon tauchen – viele lassen das aber weg und haben trotzdem Erfolg. Stecke das schräge Ende ca. 5–7 cm (2–3 Zoll) tief in einen Topf mit einem luftigen, gut drainierenden Substrat: halb Kompost, halb Sand oder Perlit funktioniert gut. Einmal angießen, damit sich alles setzt, dann die Erde nur ganz leicht feucht halten. Das Steckholz soll fest sitzen und nicht wackeln, wenn du es leicht anstupst.
Der Oktober ist oft ein chaotischer Monat, und die Stimmung geht mit dem Wetter mit. An einem grauen Samstag schneidest du vielleicht zu kurz, setzt zu tief oder nimmst halt den halb offenen Kompostsack aus der Ecke. Passt schon. Die einzigen echten Feinde bei Feigen-Steckhölzern sind staunasse Erde und Ungeduld. In Wasser stehende Töpfe ersticken neue Wurzeln, und ständiges Herumkramen und Nachschauen bricht sie, bevor sie überhaupt loslegen. Also stell die Töpfe an einen geschützten, frostfreien Platz – ins Kalthaus, an eine Hauswand oder in einen unbeheizten Windfang – und lass sie dann großteils in Ruhe.
An einem guten Tag beschriftest du jeden Topf mit Sorte und Datum. An einem schlechten Tag sagst du dir, du wirst dir eh merken, was was ist. Wirst du nicht. Und das ist auch okay, solange sie leben.
Manche ziehen Oktober-Steckhölzer gern in feuchtem Perlit oder in einem ganz leicht feuchten Papiertuch vor, bevor sie eintopfen – aber im Substrat klappt’s genauso gut, wenn es luftig bleibt. Entscheidend sind Luft im Substrat und langsame, gleichmäßige Feuchtigkeit. Nicht nass, nicht staubtrocken. Stell dir einen Schwamm vor, der leicht feucht ist, nicht ein Sumpf. Seien wir ehrlich: Das macht eh niemand wirklich jeden Tag. Du wirst’s zwischendurch vergessen, nach ihnen zu schauen. Die meisten verzeihen’s dir.
„Jedes Steckholz ist ein kleiner Akt von Optimismus“, sagt ein erfahrener Feigensammler. „Du weißt nie genau, welche bewurzeln – also schneidest du ein paar mehr und vertraust auf die Saison.“
Hier hilft ein bissl Struktur, damit du dir später dankbar bist:
- Nimm 5–10 Steckhölzer statt nur eines, um natürliche Ausfälle auszugleichen.
- Verwende mindestens zwei verschiedene Töpfe oder Schalen, damit ein Fehler nicht alles ruiniert.
- Stell einen Topf etwas wärmer und einen etwas kühler und schau, was besser bewurzelt.
- Schreib Sorte und Monat auf ein einfaches Etikett, auch wenn du „ganz sicher“ bist, dass du’s dir merkst.
- Feuchtigkeit einmal pro Woche kontrollieren, nicht täglich – sonst ertränkst du sie vor lauter Liebe.
Was nach dem Stecken passiert – und warum sich Oktober-Steckhölzer anders anfühlen
Das Komische an Oktober-Steckhölzern ist, wie still sie sind. Wochenlang, manchmal monatelang, stehen sie da wie kurze, leicht traurige Stöckerl im Topf. Keine Blätter, kein Drama, nichts fürs Foto. Genau da bekommen viele Anfänger:innen Panik und geben auf, weil sie glauben, es passiert nichts. Unter der Oberfläche aber tasten sich dünne weiße Wurzeln langsam durch die Erde.
An einem kalten Dezembermorgen, wenn der Garten halb verlassen wirkt, gehst du raus, um einen Topf zu verrücken, und spürst plötzlich Widerstand. Das Steckholz hebt nicht leicht ab. Wurzeln haben es verankert. Ein kleiner, privater Sieg. In dem Moment wird der ganze Prozess auf einmal real. Du hast einen Zweig, der sonst am Kompost gelandet wäre, in einen zukünftigen Baum verwandelt, der dich vielleicht überlebt.
Biologisch hat das Steckholz in den ersten Wochen ein Überlebenspaket gebaut. Im Herbst und Winter gibt’s keinen Druck, Blätter und Früchte zu machen. Die gespeicherte Energie im Holz fließt in den Wurzelaufbau. Wenn dann das Frühlingslicht kommt und die Temperaturen steigen, startet dein Oktober-Steckholz nicht bei null. Es hat schon ein funktionierendes Wurzelsystem, das den ersten grünen Schub versorgen kann. Dieser Vorsprung ist der leise Vorteil, den dir der Oktober schenkt.
Und menschlich gibt’s noch eine zweite Ebene. Feigen werden oft geteilt: ein Zweig vom alten Baum der Nachbarin, ein Steckholz aus Omas Garten, ein Stück Holz in feuchtes Zeitungspapier gewickelt und per Post verschickt. An einem kühlen Herbsttag, wenn du deine Töpfe aufstellst, klonst du nicht nur Pflanzen. Du kopierst Erinnerungen, Geschmäcker und Geschichten. In einer harten Woche kann das erstaunlich erdend sein.
Wir kennen alle diesen Moment, wo eine Pflanze uns an einen Menschen erinnert. Oktober-Feigensteckhölzer treffen genau dieses Gefühl – ohne großes Tamtam.
Wenn dann der Spätwinter kommt und die Knospen endlich anschwellen und in kleine Blätter aufbrechen, schaut plötzlich alles selbstverständlich und leicht aus – als wäre es eh immer so gedacht gewesen. Du erinnerst dich an den kalten Oktobernachmittag, an den leicht schuldigen Schnitt, an die stillen Töpfe, an die Wochen, in denen scheinbar nichts war. Und du merkst: Die eigentliche Arbeit war Geduld, nicht Technik.
Das ist der leise Rhythmus vom Garteln: kleine Entscheidungen in einer Saison, große Belohnungen in der nächsten.
| Kernpunkt | Detail | Nutzen für dich |
|---|---|---|
| Timing im Oktober | halb ausgereiftes Holz, verlangsamter Saftfluss, Boden noch leicht warm | erhöht die Anwuchs-/Bewurzelungsquote deutlich |
| Einfache Technik | 15–20 cm (6–8 Zoll), 3–4 Knoten, drainierendes Substrat | vermehrt Feigen ohne spezielles Equipment |
| Wurzeln über den Winter | Wurzelsystem bildet sich langsam vor dem Frühling | gibt Jungpflanzen Vorsprung für die nächste Saison |
FAQ
- Wie lange brauchen Feigen-Steckhölzer aus dem Oktober zum Bewurzeln?
Die meisten bilden innerhalb von 4–8 Wochen Wurzeln, auch wenn du oberirdisch oft erst im frühen Frühling etwas siehst. Wenn du ganz vorsichtig dran ziehst und es spürbar „hält“, ist das das beste Zeichen.- Kann ich Oktober-Steckhölzer den ganzen Winter draußen lassen?
Nur in milden Lagen. In kälteren Gegenden besser ins Kalthaus, in einen unbeheizten Vorraum/Wintergarten oder geschützt an eine Hauswand stellen, damit sie keine harten Fröste abbekommen.- Soll ich Feigen-Steckhölzer oft gießen?
Erde nur leicht feucht halten, nie patschnass. Leicht gießen, wenn die obersten 2–3 cm trocken sind, und überschüssiges Wasser gut ablaufen lassen.- Brauche ich Bewurzelungshormon für Feigen-Steckhölzer?
Es hilft ein bisschen, ist aber nicht zwingend. Gesundes, halb ausgereiftes Oktoberholz in einem guten, luftigen Substrat bewurzelt oft auch ohne.- Wann kann ich bewurzelte Steckhölzer ins Freie/ins Beet setzen?
Wenn du im Frühling kräftigen Austrieb siehst und die Wurzeln den Topf gut durchwachsen, meist im späten Frühling. Dann langsam abhärten und erst nach der Frostgefahr auspflanzen.
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