Der andere Tag, in am überfüllten Bus, hat a Teenager-Bua laut g’schimpft, dass des WLAN dauernd ausg’stiegn is. Gegenüber von eam hat a ältere Frau in ana ausg’bleichten Jeansjackn nur g’lächlt und ihre Zeitung z’sammg’faltet – mit dera ruhigen Genauigkeit von jemandem, der Langweil, Stille und lange Wartezeiten kennt, wo ma nix hat außer seine eigenen Gedanken. Ihre Händ’ ham si mit ana bodenständigen Ruah bewegt, die ma am Bildschirm-tippenden Arbeitsweg ned oft sieht. Wie da Fahrer a Umleitung ang’sagt hat, ham die Hälfte der Leit’ g’seufzt und ihre Karten am Handy aufgmacht. Die Frau hat nur die Schultern gezuckt, aus’m Fenster g’schaut und si einfach ang’passt – wie wer, der scho tausend unerwartete Kurven überlebt hat.
Es gibt a ganz bestimmtes mentales „Muskelgefühl“, des ma bei Leit’ spürt, die in de 60er und 70er aufgwachsen san.
Wenn’s da amal auffällt, siehst es auf amoi überall.
Die leise Widerstandskraft von „Des wirst scho hinkriegen“
Leit’, die in de 60er und 70er Kinder waren, ham früh g’lernt, dass Hilfe ned immer nur zwoa Klicks entfernt is. Wenn da mitten in der Stadt die Radkett’n owi g’flogn is, hast kanen antextet. Du hast des Rad umdraht und so lang dran herumg’werkt, bis die Händ’ schwarz vom Fett waren. So a alltägliches Problemlösen, tausendmal wiederholt, verdrahtet da im Hirn was.
Die Generation is dran g’wöhnt worden, dass’s Leben ned gepolstert is. Bus verpasst? Dann bist hoit gangen. Jausn vagessn? Dann bist entweder hungrig blieben oder hast mit am Freund a halbes Brot ausg’handelt. Die Botschaft – g’sagt oder ungsagt – war einfach: Es kommt kana und rett’ di vor jeder kleinen Unannehmlichkeit. Mit der Zeit entsteht so a solide, drama-freie Stärke.
Fragst wen, der aus der Zeit is, nach seiner Kindheit, hörst oft den gleichen Satz: „Mir ham’s halt richten müssn.“ A Zwölfjähriger is vielleicht mit jüngeren G’schwistern heim gangen, hat einfache Essen kocht oder Botengänge im Grätzel g’macht – ohne Smartphone, ohne Tracking-App, nur mit am Haustürschlüssel am Bandl.
Es hat weniger Sicherheitsnetze geben und noch weniger Anleitungen. Eltern san ned bei jedem Schritt drüber g’hängt. Probleme san aufkumman – kaputte Geräte, fehlende Teile, verwirrende Schulformulare – und Kinder ham g’sehn, wie Erwachsene mit dem, was grad da war, irgendwas z’sammg’flickt ham. Diese tägliche Dosis Improvisation hat sie leise drauf trainiert, ruhig z’bleiben, wenn’s plötzlich schiefgeht.
Mit heutigem Blick schaut die Welt von damals fast a bissl fahrlässig aus. Psychologisch hat’s aber a sehr konkrete mentale Stärke g’schmiedet: die Erwartung, dass ma Unbequemlichkeit aushalten kann und unterwegs draufkommt, wie’s geht. Jüngere Generationen, oft umgeben von Tutorials und Sofort-Antworten, landen seltener in dem rohen „Try-and-Error“-Bereich.
Des is ka G’schicht von Überlegenheit. Es geht um Trainingsumfang. Die 60er und 70er ham einfach mehr ungefilterte Gelegenheiten geboten, Unsicherheit auszuhalten und Probleme ohne Anleitung zu lösen. Über Jahre macht so a Wiederholung ned nur fähig – sie baut an leisen inneren Satz auf: „I hab scho Schlimmeres g’schafft als des.“
Lange Aufmerksamkeit in ana Kurzaufmerksamkeits-Welt
A unterschätzte Stärke, die Leit’ aus de 60er und 70er oft mitbringen, is tiefer Fokus. Ma hat a Fernsehsendung ned „halb g’schaut“, während ma auf am zweiten Gerät scrollt – weil’s höchstens an Bildschirm im Raum geben hat, wenn überhaupt. Ma hat ganze Alben auf Vinyl durchg’hört, vom langsamen ersten Track bis zu dem komischen experimentellen am Schluss. Ka Skippen.
Wennst was lernen hast wollen, bist an Spuren g’folgt: Bücherei, Zettelkastl, Regale, vielleicht a Auskunft in der Bibliothek, wo wer über die Brün g’schielt hat. Du bist stundenlang in ana Aufgabe drin g’steckt – ned weilst a Produktivitäts-Guru warst, sondern weil da buchstäblich nix alle 30 Sekunden „ping“ g’macht hat. So a Übung setzt si tief im Hirn fest.
Stell da an Teenager 1974 vor, am Boden, mit’m Plattenspieler. Die Nadel geht runter, und des war’s: Du bist für die nächsten 40 Minuten in dem Universum. Der Kopf schweift ab, ja – aber er schweift innerhalb der Musik ab. Oder stell da vor, wie wer a Rezept aus ana Zeitung oder Zeitschrift abschreibt, weil’s ka „Speichern“-Knopf gibt. Ma liest genauer, wenn ma weiß, dass ma ned einfach zruggklicken kann.
Studien zur Aufmerksamkeit zeigen, dass dauernde Unterbrechungen unsre Fähigkeit zum Tiefgang z’schneiden. Leit’, die vor Smartphones erwachsen worden san, ham Jahre von ununterbrochenem Lesen, Zuhören und Reden g’habt. Sie ham – aus Versehen – ihr Nervensystem drauf trainiert, Stille auszuhalten und bei einer Sache länger z’bleiben, als a Algorithmus meint, dass „gscheit“ wär.
Aus dem Training kommt a zweite Ebene: Geduld. In der Schlange warten, im Stau sitzen, in ana langsamen Bankfiliale steh’n – des war ka Krise. Des war halt … Teil vom Tag. Ma hat mit dem neben einem g’redt oder is bei seine Gedanken g’blieben.
Jüngere Generationen können des genauso aufbauen, aber die Umgebung zieht in die andere Richtung. Notifications, Autoplay, Infinite Scroll laden des Hirn ein, Langweil als Notfall z’behandeln. Wer in de 60er und 70er aufgwachsen is, hat die umgekehrte G’schicht g’lebt: Langweil war a leere Leinwand. Entweder du hast’s ausgehalten – oder du hast was draus g’macht. Des is mentale Ausdauer, ned bloß Nostalgie.
Die unterschätzte Kraft von „I werd’s scho irgendwie richten“
Wennst dir aus der Zeit a konkrete Fähigkeit ausborg’n willst, dann fang mit „sich z’rechtfinden / z’sammrichten“ an: die mentale Gewohnheit, zuerst zu fragen: „Was kann i mit dem machen, was i eh scho hab?“ – bevor ma nach ana neuen App, am Tool oder am Kauf schaut. In de 60er und 70er hat’s weniger Auswahl und langsamere Kaufzyklen geben, drum war die Frage im Zentrum vom Alltag.
Zum Trainieren heut: Setz da kleine, bewusste Grenzen. Koch einmal in der Wochn a Abendessen nur aus dem, was eh in der Speis is. Reparier oder verwend in dem Monat an Gegenstand um, bevorst ihn ersetzt. Wenn was ned nach Plan lauft, bleib a Minute steh’n und zähl dir im Kopf drei unperfekte Möglichkeiten auf, wie’s trotzdem weitergeht. Es geht ned ums Sparen – es geht ums Flexibel-Sein üben.
A typische Falle bei Jüngeren is, Bequemlichkeit mit Kompetenz zu verwechseln. Wenn alles bestellbar, streambar und zustellbar is, können Problemlöse-Muskeln leise verkümmern. Ma g’wöhnt si dran, dass die richtige Lösung immer „draußen“ is – und ned „drinnen“ in der eigenen Kreativität. Des is kanes Schuld; des is einfach des Wasser, in dem ma schwimmt.
Ältere klingen manchmal hart, wenn’s sagen: „Mir ham des alles ned g’habt.“ Aber hinter dem Satz steckt oft echte Empathie. Sie erinnern si, wie’s is, festz’stecken und trotzdem handeln zu müssen. Und sie erinnern si an den Stolz, mit weniger auszukommen. Des warme Gefühl, wennst was flickst, oder a kleines Budget so streckst, dass a große Notwendigkeit abgedeckt is – des füttert dein Gefühl von „I kann das“, auf a Art, wie’s a One-Click-Kauf nie schafft.
„Mir ham g’lernt, mit dem z’leben, was ma g’habt ham“, hat mir a Frau g’sagt, Jahrgang 1958. „Ned weil ma Heilige waren, sondern weil’s ka andere Wahl geben hat. Du würdest di wundern, wie starkst bist, wenn’s kan Plan B gibt.“
- Mentale Flexibilität: „Was kann i jetzt tun?“ statt „Warum is des ned leichter?“
- Einfallsreichtum: Aus wenig Werkzeug, Zeit oder Geld brauchbare Lösungen machen.
- Emotionale Stabilität: Weniger Panik, wenn’s ned nach Plan lauft.
- Dankbarkeit: Den Wert von dem spüren, was ma schon hat, bevor ma dem Nächsten nachrennt.
- Selbstvertrauen unter Druck: Aus Erfahrung wissen, dass ma si durchimprovisieren kann.
Neun mentale Stärken, die de 60er–70er leise aufgebaut ham - und die ma no lernen können
Wennst Leuten aus den Jahrzehnten wirklich zuhörst, tauchen immer die gleichen Muster auf. Unter der Musik, den sozialen Bewegungen, den wirtschaftlichen Aufs und Abs ham sie neun mentale Stärken trainiert, die die moderne Welt selten verlangt: Selbstständigkeit, Langweil-Toleranz, tiefe Aufmerksamkeit, Geduld, Improvisation, Belohnung aufschieben können, Mut fürs direkte Gegenüber, emotionale „dicke Haut“ und Langzeit-Treue zu Menschen und Projekten.
Nix davon is a mystische Eigenschaft, eing’sperrt in ana Zeitkapsel. Eher wie Hornhaut von am anderen Alltag: weniger Polsterung, mehr Reibung. Weniger sofortiges Feedback, mehr Warten, was passiert. So a Umgebung hinterlässt Spuren im Kopf.
Ma kennt’s: der Moment, wo a ältere Verwandte bei am Problem nur die Schultern zuckt, während alle anderen in Panik geraten. Flug g’strichen, WLAN tot, Plan z’sammg’fallen. Jüngere greifen zum Handy, scrollen nach Empörung, suchen nach Hacks. Die 60er–70er-Leut’ werden oft kurz still und fangen dann an, praktische Fragen zu stellen: Wo können ma schlafen? Wen rufen ma an? Was is unser Worst Case?
Seien ma ehrlich: Niemand macht des jeden Tag perfekt. A der widerstandsfähigste Mensch is manchmal überfordert. Der Unterschied is: Frühere Generationen ham tausende kleine Wiederholungen g’habt, Unbequemlichkeit auszuhalten, bevor Erleichterung kommt. Und genau diese Wiederholung können Jüngere bewusst wieder aufbauen – Schritt für Schritt, sogar in ana hypervernetzten Welt.
Wennst später aufgwachsen bist, heißt des ned, dass’d „für immer was versäumt“ hast. Es heißt nur: dein Trainingsplan is anders. Du musst dir vielleicht absichtlich das suchen, was in de 60er und 70er automatisch da war: unstrukturierte Zeit, Konflikte von Angesicht zu Angesicht, leben mit weniger Auswahl, Dinge probieren ohne perfekte Anleitung. Du kannst dir ihre mentalen Stärken ausborgen wie a Vintage-Jackn: ned zum Verkleiden als Vergangenheit, sondern um a bissl von dera abgewetzten Ehrlichkeit in die Gegenwart mitzunehmen.
Und wennst aus dera Zeit bist, fehlen dir vielleicht die Worte dafür, was du da mittragst. Du weißt nur: Du bist durch ein paar Runden Chaos gangen und auf der anderen Seite wieder raus. Jüngere brauchen diese G’schicht klar erzählt – ohne Nostalgie und ohne Überheblichkeit. Sie müssen hören, wie du wirklich z’rechtkommen bist. Wovor du Angst g’habt hast. Was du verbockt hast. Und was’d heut wieder genauso machen würdest.
| Kernpunkt | Detail | Nutzen für Leser:innen |
|---|---|---|
| Alltägliche Selbstständigkeit | Weniger Sicherheitsnetze zwangen Kinder und Teens, Probleme selber z’lösen. | Ermutigt, Selbstvertrauen neu aufzubauen, indem ma kleine Herausforderungen ohne Soforthilfe angeht. |
| Tiefer Fokus & Langweil-Toleranz | Lange Phasen ohne digitale Ablenkung trainierten Aufmerksamkeit und Geduld. | Gibt a Modell, wie ma Konzentration durch bewusste „offline“ Momente zurückholt. |
| „Z’sammrichten“-Mindset | Wenig Optionen förderten Improvisation, Belohnungsaufschub und Widerstandskraft. | Zeigt, wie Einschränkungen Kreativität und emotionale Stabilität stärken können. |
FAQ:
- Frage 1 Welche konkreten mentalen Stärken haben Menschen aus den 60ern und 70ern oft entwickelt?
- Antwort 1 Häufige sind Selbstständigkeit, Geduld, tiefer Fokus, Langweil-Toleranz, Improvisation, Belohnung aufschieben können, Face-to-Face-Kommunikation, emotionale Robustheit und langfristige Treue zu Menschen und Projekten.
- Frage 2 Können jüngere Generationen diese Stärken heut realistisch auch aufbauen?
- Antwort 2 Ja, aber selten „zufällig“. Meist braucht’s kleine, bewusst „old-school“ Bedingungen: weniger Ablenkung, mehr unstrukturierte Zeit, anfangen und fertig machen, und manchmal absichtlich die langsamere, schwierigere Option wählen.
- Frage 3 Is des ned nur Nostalgie, wenn ma sagt, die 60er–70er waren besser für mentale Härte?
- Antwort 3 Es geht weniger um „besser“ und mehr um die Art Training, die diese Jahrzehnte geliefert haben. Jede Zeit formt andere Fähigkeiten. Die 60er–70er-Umwelt hat einfach viel Wiederholung im Umgang mit Unbequemlichkeit und Grenzen erzeugt.
- Frage 4 Wie kann i „z’sammrichten“ in ana digitalen On-Demand-Welt üben?
- Antwort 4 Fang klein an: Reparier statt ersetzen (ein Teil), koch mit dem, was daheim is, verschieb an Kauf um 30 Tage, oder lös a Problem die ersten 10 Minuten ohne Googeln. Ziel is, den Improvisations-Muskel zu dehnen.
- Frage 5 Was is a Gewohnheit von damals, die i diese Woche probieren könnt?
- Antwort 5 Such dir eins aus: a Stunde lang a Gespräch führen, während’s Handy im andern Raum liegt; a ganzes Album hören ohne Skip; oder spazieren gehen ohne Kopfhörer – nur mit deine Gedanken. Fühlt si zuerst komisch an, dann erstaunlich erdend.
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