Softes Englisch, solides Deutsch, das musikalische Französisch von Paaren, die bei Pastel de Nata Immobilienpreise vergleichen. Diesen Winter wirkt dieselbe Terrasse ruhiger. Die Sonne trifft die Fliesen noch immer gleich, aber die Akzente sind weniger geworden. Der Wirt zuckt mit den Schultern und sagt halb lächelnd: „Die gehen jetzt alle dorthin“, und zeigt vage nach Osten auf einer imaginären Karte. Er nennt das Land nicht. Er muss es auch nicht. Unter Expats und Pensionsplanern scheinen plötzlich alle über denselben neuen Europa-Favoriten zu tuscheln. Und das beginnt Portugals langen, goldenen Ruhestands-Traum zu verunsichern.
Vom goldenen Versprechen zum verblassenden Schnäppchen
Mehr als ein Jahrzehnt lang war Portugal das Vorzeigeland für das gute Leben mit einer überschaubaren Pension. Das Rezept wirkte fast zu perfekt: günstige Flüge, freundliche Einheimische, lange Atlantik-Sonnenuntergänge und ein Steuersystem, bei dem viele ausländische Pensionist:innen still vor sich hingrinsten. Wer 2018 durch Lagos oder Cascais spazierte, hörte lange Gespräche über Erbrecht, Wohnungsrenovierungen und „nie wieder zurück in den Regen“.
Dieser Ton hat sich verändert. Spricht man heute mit denselben Leuten, fallen Wörter wie „Unsicherheit“, „überteuert“, „überlaufen“. Die Cafés sind im Winter noch immer voll, aber Stammgäste erzählen von Nachbarn, die verkaufen. Immobilien, die einmal wie ein Zuhause fürs Leben wirkten, kommen wieder auf den Markt – oft auf Englisch beworben, für eine neue, vorsichtigere Welle. Portugal ist nicht unfreundlich geworden. Es ist nur nicht mehr das unschlagbare Angebot, als das es vor ein paar Jahren verkauft wurde.
Der Wendepunkt ist leicht nachzuvollziehen. Ende 2023 begann die portugiesische Regierung, das gefeierte Steuerregime für „Non-Habitual Residents“ (NHR) auslaufen zu lassen, das vielen ausländischen Pensionist:innen großzügige Vorteile gebracht hatte. Die Wohnpreise, ohnehin durch jahrelange Auslandsnachfrage und lokalen Frust nach oben gedrückt, kletterten weiter. Mieten in Lissabon und Porto begannen, jenen mittelgroßer westeuropäischer Städte zu ähneln. Mit dieser neuen Rechnung begannen Pensionist:innen, die Portugal früher als Selbstläufer sahen, wieder etwas zu tun, das sie jahrelang nicht getan hatten: sich umzuschauen.
Der stille Aufstieg Griechenlands als „neues Portugal“
Der Name, der in diesen Gesprächen jetzt immer wieder auftaucht, ist Griechenland. Zuerst klingt das wie eine romantische Fantasie. Weiß getünchte Inseln, türkisblaues Wasser, Teller mit gegrilltem Fisch bei Sonnenuntergang. Doch hinter der Postkarte steckt eine sehr praktische Realität: ein pauschaler Steuersatz von 7 % auf aus dem Ausland stammende Pensionseinkünfte für qualifizierte Pensionist:innen – abgesichert für bis zu 15 Jahre. Für jemanden mit einer ordentlichen Pension ist das kein Detail. Das ist ein Lebensplan.
Verbringt man ein paar Tage in Chania oder Kalamata, erkennt man das Muster. Ein britisches Paar, über den Laptop gebeugt, mit einem griechischen Anwalt auf Zoom. Ein niederländischer Pensionist erklärt, wie er seine Zeit zwischen Portugal und Griechenland aufgeteilt hat, „nur um das Wasser zu testen“. Ein deutscher Ex-Ingenieur gibt leise zu, dass er seinen offiziellen Steuerwohnsitz von der Algarve auf den Peloponnes verlegt hat, „weil es einfach zu viel Sinn gemacht hat“. Ein französischer Pensionist witzelte, seine WhatsApp-Gruppen seien zu einem Dauerstrom aus Fährenfotos und Steuerfragen geworden.
Jenseits der 7 % ist Griechenland in vielen Bereichen des Alltags schlicht günstiger. Langzeitmieten außerhalb Athens und der flashy Inseln sind noch überraschend leistbar. Auf den lokalen Märkten gibt es frisches Gemüse, Öl und Käse zu Preisen, die sich anfühlen wie Portugal vor zehn Jahren. Und da ist dieses schwer greifbare Gefühl, nicht zu spät zur Party zu kommen. In Portugal haben viele Expats das Gefühl, zu den Letzten zu gehören, die einen Ort entdecken, den sich Einheimische kaum mehr leisten können. In Griechenland sehen sie ein Land, das noch aufbaut, noch hungrig ist, sie anzuziehen, und noch bereit ist, einen Deal zu machen.
Wie Pensionist:innen still ihr Vorgehen ändern
Der kluge Schritt, den viele Pensionist:innen jetzt machen, ist brutal simpel: Sie behandeln die Pension wie ein gestuftes Experiment, nicht wie eine einmalige Wette. Statt alles zu verkaufen, nach Portugal zu ziehen, eine Wohnung zu kaufen und zu hoffen, dass Gesetze nie ändern, bauen sie eine Testphase ein. Sechs Monate in Griechenland, vielleicht drei in Portugal, dazu ein paar Erkundungstrips nach Spanien oder Zypern zum Vergleich.
Dieses „erst testen, dann festlegen“-Mindset verändert alles. Man mietet möblierte Apartments, statt hektisch zu kaufen. Man behält den Anker im Heimatland noch ein bisserl länger. Manche führen sogar Doppel-Pläne mit dem Finanzberater: ein Portugal-Szenario und ein Griechenland-Szenario, bereit zum Umschalten je nach nächster politischen Ansage. Das klingt ausgeklügelt, ist aber schlicht vorsichtig. Viele Pensionist:innen haben endlich begriffen, dass großzügige Steuerregime schneller verschwinden können als ein Sonnenuntergang über dem Tejo.
Was oft im Weg steht, sind Emotionen. Es gibt den Ort, in den man sich in einem zweiwöchigen Urlaub verliebt – und es gibt den Ort, an dem man im Februar zufrieden ist, wenn man einen undichten Heizkessel richtet. Kurzfristig wirken Portugal und Griechenland beide unwiderstehlich. Blauer Himmel, freundliche Gesichter, guter Wein. Der Unterschied zeigt sich Monate später, im langweiligen Takt von Rechnungen, Arztterminen und Supermarktrunden. Genau dort wechseln die klügeren Pensionist:innen leise von Instagram-Träumen zu Excel-Tabellen – so unangenehm sich das auch anfühlen mag.
Bei Verstand bleiben, während sich das „nächste große Ding“ ständig ändert
Ein praktischer Trick erfahrener Expats ist, vom Worst Case aus rückwärts zu planen, nicht vom Traum. Statt zu fragen „Wo wird mein Leben perfekt?“, fragen sie: „Wo ist es noch handhabbar, wenn sich Regeln ändern oder die Gesundheit einen Dämpfer bekommt?“ Das klingt pessimistisch. In Wahrheit ist es befreiend. Plötzlich geht’s weniger darum, welches Land die schönste Marina hat, und mehr darum, in welches Spital man um 3 Uhr früh halbwegs ruhig hineingehen würde.
Versuch, die Recherche in drei Bereiche zu teilen: Geld, Gesundheitssystem und Alltags-Reibung. Geld umfasst Steuer, Miete, Betriebskosten, Flüge nach Hause. Gesundheitssystem umfasst Zugang, Sprachbarrieren und Wartezeiten. Alltags-Reibung ist das Zeug, das niemand auf Instagram postet: Bürokratie, Aufenthaltsdokumente, Führerscheinverlängerung. Legt man Portugal und Griechenland in diesen drei Punkten nebeneinander, ist die 7 %-Steuer nur ein Teil eines viel größeren Puzzles. Und manchmal kostet die „günstigere“ Option mehr Nerven.
Es gibt noch eine Falle, die Pläne leise ruiniert: zu viel Optimismus hinsichtlich der eigenen Disziplin. Leute schwören, sie lernen die Sprache schnell, lesen jede neue Steuerregel und halten alle Unterlagen perfekt. Seien wir ehrlich: Das macht im Alltag kaum wer wirklich jeden Tag. Das Leben funkt dazwischen. Darum kann ein Land, in dem sich zumindest Teile des Systems in deine Richtung biegen – englischsprachige Ärzt:innen, klare Expat-Leitfäden, unkomplizierte Steuerabgabe – wichtiger sein, als den letzten Euro aus der Pension herauszupressen.
„Wir sind wegen der Steuerersparnis gekommen, wegen der Nachbarn geblieben … und wären fast wegen der Papierarbeit wieder gegangen“, lacht Martin, 68, ein Brite, der sein Jahr inzwischen zwischen der Algarve und einem kleinen Ort nahe Nafplio aufteilt. „Portugal hat sich wie die Zukunft angefühlt, bis sich die Zahlen geändert haben. Griechenland hat sich wie ein Risiko angefühlt, bis wir tatsächlich dort gelebt haben.“
Auch emotional wird die Entscheidung zwischen Portugal und Griechenland selten allein in Tabellen entschieden. Wir haben alle schon diesen Moment erlebt, in dem uns ein Ort ohne Vorwarnung packt – ein zufälliges Café, ein Stück Meer, die Art, wie man in der Bäckerei grüßt. Darum sagen viele Pensionist:innen, ihre „endgültige Entscheidung“ sei nach etwas so Einfachem wie einem Winterspaziergang am Hafen gefallen – nicht nach dem E‑Mail ihres Steuerberaters.
- Portugal: vertraute Expat-Infrastruktur, höhere Kosten, nachlassende Steuervorteile.
- Griechenland: aggressives Pensions-Steuerangebot, niedrigere Alltagskosten, mehr administrative Grauzonen.
- Beide: Sonne, langsamerer Rhythmus – und eine Zukunft, die weiterhin stark vom nächsten Regierungsbeschluss abhängt.
Der größere Wandel, den niemand gern zugibt
Was sich wirklich ändert, hat weniger mit Portugal gegen Griechenland zu tun, und mehr damit, wie Pensionist:innen Europa insgesamt sehen. Vor zehn Jahren glaubten viele, sie könnten Regeln „fürs Leben fixieren“: Wohnsitz holen, Steuervorteil sichern, Immobilie kaufen, fertig. Die heutige Welle ist skeptischer. Man hat gesehen, wie Regierungen über Nacht Gesetze drehen, wie Mieten explodieren, und wie globale Schlagzeilen in einer Saison lokale Wohnungsmärkte umformen können.
Darum klingen Ruhestands-Gespräche zunehmend so, wie Karrieregespräche früher klangen: flexibel, diversifiziert, jederzeit bereit zum Pivot. Man spricht von „Plan‑B‑Ländern“, davon, einen Teil der Ersparnisse liquide zu halten, statt alles in eine Wohnung mit Meerblick zu versenken. Man sucht Communities, in denen man innerhalb des Ortes umziehen kann, wenn Preise steigen – nicht nur innerhalb des Landes. Manche wählen sogar bewusst weniger angesagte Regionen, weil sie Stabilität über Prestige stellen.
Dass Portugal etwas Glanz verliert und Griechenland ihn gewinnt, ist nur die aktuelle Version einer alten Geschichte. Davor war es Spanien. Davor waren es Teile des ländlichen Frankreichs. Was heute anders ist, ist die Geschwindigkeit. Social Media und Expat-Foren können aus einem ruhigen griechischen Küstenort mit ein paar viralen Posts „den neuen Hotspot“ machen. Und bis langsam entscheidende Pensionist:innen mit ihren Koffern dort ankommen, beginnen die Preise schon zu kriechen. Die Frage hinter dem Wechsel von Portugal zu Griechenland ist nicht „Wo ist es am besten?“, sondern: Wie lange kann irgendein Ort „am besten“ bleiben, sobald die Welt ihn entdeckt?
Statt dem perfekten Ziel hinterherzulaufen, entscheiden sich mehr Pensionist:innen leise für etwas anderes: für das richtige Maß an Unsicherheit, mit dem sie leben können – im Tausch gegen ein Leben, das sie tatsächlich als ihres erkennen.
| Kernpunkt | Detail | Nutzen für Leser:innen |
|---|---|---|
| Portugals nachlassende Steuerattraktivität | Auslaufen des Non‑Habitual‑Resident‑Regimes und steigende Wohnkosten | Hilft einzuschätzen, ob Portugal noch zu langfristigen Finanzplänen passt |
| Griechenlands 7 % Pensionssteuer | Pauschalsatz auf ausländische Pensionseinkünfte für berechtigte Pensionist:innen, bis zu 15 Jahre | Bietet einen konkreten Vergleichswert zu bestehenden oder geplanten Steuersituationen |
| „Erst experimentieren“-Strategie | Kurze Testaufenthalte, mieten vor kaufen, mehrere „Plan‑B“-Länder | Reduziert das Risiko, sich am falschen Ort oder in der falschen Politik-/Regelumgebung festzulegen |
FAQ:
- Warum verlassen manche Pensionist:innen Portugal jetzt?
Weil die Kombination aus schwächerem Steuervorteil, steigenden Wohnkosten und Unsicherheit über künftige Regeln Portugal weniger wie ein Once‑in‑a‑Lifetime‑Schnäppchen wirken lässt – und mehr wie einfach ein weiteres warmes europäisches Land.- Ist Griechenland für Pensionist:innen wirklich günstiger als Portugal?
In vielen Regionen ja: Mieten, Lebensmittel und Alltagsdienstleistungen kosten oft weniger, und die 7 % Pensionssteuer kann ein großer Vorteil sein – hängt aber von Einkommen und persönlicher Steuersituation ab.- Sollte ich zuerst umziehen oder zuerst mit einer Steuerberatung reden?
Zuerst mit der Beratung reden. Ein einstündiges Gespräch mit jemandem, der grenzüberschreitende Pensionen und Wohnsitzregeln versteht, kann Jahre an Frust – und viel Geld – sparen.- Ist Immobilienkauf in Portugal oder Griechenland noch eine gute Idee?
Kann sein, aber erst, nachdem du lange genug dort gelebt hast, um zu wissen, dass du zumindest einen schlechten Winter, eine Runde Lokalwahlen und ein paar Mietvertragsverlängerungen durchstehen willst.- Was, wenn sich das „beste“ Land in zehn Jahren wieder ändert?
Dann passt du dich an. Die sicherste Wette ist nicht ein einziges Ziel, sondern Finanzen, Unterlagen und Mindset flexibel genug zu halten, um notfalls zu wechseln – und einen Ort zu wählen, den du auch ohne Steuerschmankerl mögen würdest.
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