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Verwende keine Wattestäbchen zum Ohrenputzen! Sie schieben das Ohrenschmalz tiefer zum Trommelfell und können Verstopfungen verursachen.

Frau inhaliert Dampf über eine Glasschüssel in einem Badezimmer, umgeben von Pflegeartikeln und Handtüchern.

One hand umklammert ihr Handy, die andere is um an einziges Wattestäbchen gschlungen – wie a schlechtes Geheimnis. Wia die Krankenschwester ihren Namen aufruaft, schiebt’s des Ding ganz schnell in die Hosentaschn, als war’s wos Peinliches und net einfach a ganz normales Bad-Utensil, des in fast jedem Haushalt herumliegt.

Minuten später kommt’s mit roten Augen wieder raus, mit am Rezept und strengen Anweisungen: „Koa Wattestäbchen mehr in den Gehörgang.“ Seit Wochen war’s Hören dumpf. Sie hat glaubt, sie putzt. In Wirklichkeit hat sie’s Ohrenschmalz immer fester und fester Richtung Trommelfell gschoben – wie Zement.

Ihre Gschicht is extrem häufig. Das Beunruhigende: Die meisten von uns glauben dabei auch noch, dass ma eh das Richtige tut.

Was wirklich passiert, wennst a Wattestäbchen ins Ohr steckst

Stell dir das Innere vom Ohr net als dreckigen Tunnel vor, sondern als a selbstreinigendes Förderband. Ohrenschmalz (Cerumen) wandert langsam nach außen und nimmt Staub, Bakterien und winzige Partikel weg vom Trommelfell. Wennst jetzt a Wattestäbchen drin herumdrehst, arbeitest du gegen diesen natürlichen Fluss. Die weiche Spitze fühlt sich harmlos an, fast sanft – aber die Bewegung is mechanisch und unerbittlich.

Die ersten paar Mal spürst vielleicht so a komische Zufriedenheit. Das Stäbchen kommt a bissl gelb raus, du siehst den „Beweis“ vom Putzen, und des taugt dem Hirn. Was du net siehst: Du schiebst das Schmalz tiefer rein und presst es zu a festen Schicht direkt vorm Trommelfell. Über Wochen oder Monate wird die Schicht hart. Und irgendwann wachst auf und alles klingt plötzlich dumpf – als wärst unter Wasser.

An an Dienstagabend in einer HNO-Ambulanz in London zeigt ma a Facharzt a Video aus seiner Untersuchungskamera. Am Bildschirm sieht ma an dunklen, glänzenden Propfen, der den ganzen Gehörgang von einem 32‑jährigen Mann verstopft. „Er is Musiker“, sagt der Arzt. „Er is herkommen, total in Panik, weil er glaubt hat, er verliert sein Gehör.“ Der Auslöser war net das Alter, kein Virus und ka rätselhafte Krankheit. Es waren Jahre von „nur schnell sauber machen“ mit Wattestäbchen nachm Duschen.

Zurück im Behandlungszimmer spült der Arzt das Ohr ganz vorsichtig. Endlich rutscht a dicker Klumpen raus – geformt wie das Innere vom Gehörgang, wie a Abdruck vom Problem. Der Patient lacht, halb erleichtert, halb entsetzt. Er hat nur das gemacht, was ihm die Eltern beigebracht haben. Er sagt’s net laut, aber ma sieht’s ihm an: Wenn des in einem Ohr drin war – was is dann im anderen?

Die Logik dahinter is brutal einfach: Der Gehörgang is eng, leicht gebogen und mit empfindlicher Haut ausgekleidet. Wattestäbchen sind breiter als der sichere äußere Bereich. Sobald die Spitze drin is, hat das Schmalz kaum a Möglichkeit auszuweichen – außer nach vorn, Richtung Trommelfell. Jedes „Putzen“ komprimiert das Schmalz, wie wennst Schnee mit der Schaufel gegen a zuag’sperrte Tür schiebst. Mit der Zeit kommt’s zur Verstopfung (Impaktion). So a fester Propfen kann Schmerzen, Druck, Tinnitus (Ohrgeräusche) und sogar Infektionen auslösen, wenn sich hinter der Blockade Feuchtigkeit und Bakterien anstauen.

Gleichzeitig machen die Baumwollfasern Mikro-Kratzer, die die Haut reizen. Das kann die Ohren jucken lassen – und dann greifst wieder zum nächsten Stäbchen. Der Kreislauf füttert sich selber. Es fühlt sich kurzfristig gut an. Langfristig sabotierst dir damit leise dein Gehör.

Wie du deine Ohren sauber hältst, ohne alles schlimmer zu machen

Wennst an dieses Dreh-und-Wisch-Ritual gwöhnt bist, is der erste Schritt überraschend simpel: Stecks einfach nix in den Gehörgang. Denk an die „No-Go-Zone“ als alles, was hinter dem kleinen sichtbaren „Schüsserl“ vom Außenohr liegt. Du kannst das Außenohr und den Eingang vom Gehörgang sanft mit am feuchten Waschlappen abwischen – oder mit am Taschentuch, das um den Finger wickelt is. Das war’s. Net bohren, net stochern, net „erkunden“.

Den Rest macht der Körper. Natürliche Kieferbewegungen beim Reden und Kauen helfen, altes Schmalz nach außen zu schieben, wo’s austrocknet und abbröselt. Wenn bei dir eher viel Schmalz hängen bleibt, empfehlen manche HNO-Ärzt*innen ab und zu ein paar Tropfen Kochsalzlösung oder Ohrentropfen aus der Apotheke zum Aufweichen. Net jeden Tag, net zwanghaft – nur so viel, dass du das unterstützt, was das Ohr eh selber versucht.

Darunter steckt oft a stillere Angst: die Angst, net „g’scheit“ sauber zu sein. An an guten Tag is Ohrenschmalz nur a bissl peinlich. An an schlechten Tag fühlt’s sich an wie a Beweis, dass du was falsch machst. In einem Forum über Ohrenpflege schreibt eine Frau: „I woaß, i sollt koa Wattestäbchen verwenden, aber wenn i’s auslass, fühl i mi grindig – als hätt i’s Haarewaschen vergessn.“ So tief sitzt die Gewohnheit. Aus einer natürlichen Schutzsubstanz hamma an Feind gmacht.

Klartext: Ohrenschmalz is ka Dreck. Es is a Mischung aus Ölen, Hautzellen und Sekreten, die schädliche Partikel einfängt und Infektionen bremst. Was am Rand sichtbar is, wegwischen reicht für Hygiene völlig. Tiefer reingehen is wie die Schutzschicht von einer Wand abkratzen, nur weil a Staubkorn draufglandet is. Hand aufs Herz: Des macht wirklich kana täglich.

Wir kennen alle den Moment: Du kommst aus der Dusche, Handtuch am Kopf, und die Hand greift fast von selber zur Wattestäbchen-Packung. Des is Muskelgedächtnis. Manche haben’s am Waschbecken, in Kosmetiktaschen, sogar in der Büroschublade. Es wird als Beauty-Tool vermarktet, net als Medizinprodukt – und das verwischt die Grenze zwischen „fühlt sich angenehm an“ und „is wirklich sicher“. Darum hilft ein neues Bild: Wattestäbchen sind fürs Schminken und fürs Außenohr – net für den Gehörgang.

Es gibt auch sichere Routinen, die trotzdem „befriedigend“ wirken. Eine HNO-Pflegekraft, mit der i geredet hab, schwört auf an „Sonntags-Check“: vorm Spiegel stehen und einfach nur aufs Außenohr schauen. Nix graben. Nix drehen. Nur kurz schauen und sanft abwischen, wenn wirklich was sichtbar is. Erlaub dir, dort aufzuhören.

„Jede Woche seh i Menschen, die sich mit etwas weh getan haben, das extra so ausschaut, als wär’s weich und harmlos“, hat mir ein HNO-Facharzt g’sagt. „Die Botschaft, die i den ganzen Tag wiederhol, is ganz simpel: Nix, was kleiner is als dein Ellbogen, hat im Ohr was verloren.“

Für die Momente, wo du unsicher bist, hilft a kleine mentale Checkliste: was tun – und was lassen.

  • Tu nur das Außenohr und den sichtbaren Eingang vom Gehörgang reinigen.
  • Tu net Wattestäbchen, Haarnadeln, Schlüssel oder Ohrkerzen in den Gehörgang stecken.
  • Tu zu Fachleuten gehen, wennst Druck, Schmerzen oder plötzlichen Hörverlust hast.
  • Tu net irgendwelche Öle oder DIY-Mischungen ohne ärztlichen Rat verwenden.
  • Tu dran denken: a bissl Schmalz is gesund und schützt.

Diese fünf Zeilen geben dir vielleicht net das sofortige „Ahh“-Gefühl vom Wattestäbchen-Drehen. Dafür haben’s was Besseres: Sie erhalten dir dein Gehör.

A andere Sicht auf „saubere“ Ohren

In Ordinationen und auf Social Media gibt’s grad a stille Revolution in Sachen Ohrenpflege. Mehr Ärzt*innen posten echte Videos vom Entfernen von verstopftem Ohrenschmalz – net für den Schockeffekt, sondern um zu zeigen, wie häufig das is. In den Kommentaren steht dann sowas wie: „Genau so mach i’s mein ganzes Leben“ oder „I hab net gwusst, dass i’s damit tiefer reinschieb.“ Die Botschaft, die immer wieder zurückkommt, is überraschend befreiend: Du musst dich net so abmühen.

Sobald du die Idee loslasst, dass es im Ohr drinnen „quietschsauber“ sein muss wie a polierter Teller, wird der Druck weniger. A bissl natürliche Feuchtigkeit, a bissl Schmalz, gehört zu einem System, das seit Millionen Jahren funktioniert. Das heißt net, dass ma Schmerzen ignorieren oder Probleme schönreden soll. Es heißt, vom Angriffsmodus auf Zusammenarbeit umzuschalten. Deine Rolle is unterstützen, net schrubben.

Da geht’s übrigens um mehr als nur Watte und Schmalz. Wie wir mit unseren Ohren umgehen, sagt viel darüber aus, wie wir generell mit unseren Körpern umgehen. Uns wird beigebracht, gegen Gerüche, Glanz, Haare – gegen alles, was „zu menschlich“ wirkt – zu kämpfen. Wir peelen, bleichen, trimmen, zupfen. Die Ohren werden da mit hineingezogen, und das Wattestäbchen wird zum kleinen weißen Speer. Wennst aufhörst, den Gehörgang zu „invasieren“, triffst a kleine Entscheidung in die andere Richtung: weniger Gewalt, mehr Vertrauen.

Vielleicht reden deswegen viele, die Wattestäbchen endlich weglassen, von einer Erleichterung, die net nur körperlich is. Keine panischen Google-Suchen mehr wegen dumpfem Hören. Keine hektischen Arztbesuche nach an stechenden Schmerz, weil ma a bissl zu weit reing’fahren is. Stattdessen: a langsamere Beziehung zum eigenen Körper – hinschauen, hinhören, Hilfe holen, wenn was komisch is. Net perfekt. Nur a bissl freundlicher.

Kernaussage Detail Nutzen für Leser*innen
Wattestäbchen schieben Schmalz nach innen Jedes „Putzen“ presst Schmalz gegen’s Trommelfell und formt an harten Propfen Erklärt, warum Ohren trotz „Reinigen“ verstopft wirken
Ohren reinigen sich selbst Kieferbewegungen und die natürliche Wanderung vom Schmalz transportieren Ablagerungen nach außen Beruhigt: Es braucht ka aggressives Ritual für Hygiene
Sichere Pflege passiert fast nur außen Nur Außenohr abwischen, bei Bedarf (ärztlich/empfohlen) Tropfen, bei Verstopfung zur Fachperson Klare, praktische Routine zum Schutz vom Gehör und zur Vermeidung von Impaktion

FAQ

  • Kann i Wattestäbchen verwenden, wenn i ganz vorsichtig bin?
    Sogar bei sanfter Anwendung kann Schmalz tiefer reingeschoben werden – besonders über Monate oder Jahre. Am sichersten is, Wattestäbchen komplett aus dem Gehörgang rauszuhalten und sie höchstens ums Außenohr herum oder fürs Make-up zu verwenden.
  • Was san Anzeichen für verstopftes Ohrenschmalz?
    Dumpfes Hören, a Gefühl von Völle oder Druck, Ohrklingeln, Jucken und manchmal Schwindel oder Schmerzen. Wenn sich das Hören in einem Ohr plötzlich verändert, solltst rasch zu einer Fachperson.
  • San Ohrkerzen a sichere Alternative?
    Nein. Studien zeigen, dass Ohrkerzen ka Schmalz entfernen und Verbrennungen, Verstopfungen durch Kerzenwachs oder Verletzungen im Gehörgang verursachen können. Die meisten medizinischen Organisationen raten dringend davon ab.
  • Wie oft sollt i meine Ohren „reinigen“?
    Bei den meisten reicht’s, das Außenohr beim Duschen normal zu waschen und gelegentlich den Eingang sanft abzuwischen. A tägliches Tiefenreinigen brauchst net, weil sich der Gehörgang selbst reinigt.
  • Wann sollt i zu HNO oder zum Arzt/zur Ärztin?
    Bei Schmerzen, Ausfluss, plötzlichem Hörverlust, dauerhaftem Klingeln oder wennst das Gefühl hast, es steckt was drin, is es Zeit für eine Abklärung. Dort kann man sicher untersuchen und – wenn nötig – Schmalz mit geeigneten Instrumenten und Methoden entfernen.

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